Waldzustandsbericht 2020: Katastrophaler Zustand der Wälder muss Konsequenzen für das neue EU-Klimaziel für 2030 haben

24.02.2021 | Allgemein

Waldzustandsbericht 2020: Katastrophaler Zustand der Wälder muss Konsequenzen für das neue EU-Klimaziel für 2030 haben

Den deutschen Wäldern geht es immer schlechter. Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Die Situation sieht im Rest Europas nicht besser aus. Für die Verhandlungen zum EU-Klimagesetz und das neue Klimaziel der EU für 2030 muss das Konsequenzen haben.

Das neue EU-Klimaziel für 2030 muss ein reines Minderungsziel sein, wie vom Europäischen Parlament gefordert, ohne die Verrechnung der Klimaleistung von Wäldern und anderen Ökosystemen. Der Europäische Rat und die portugiesische Ratspräsidentschaft müssen hier Bewegung zeigen.

Die Europäische Kommission und die EU-Mitgliedsstaaten schlagen vor, dass die EU sich für 2030 ein neues Klimaziel von netto 55 Prozent setzen soll. In diesem Netto-Ziel soll die Klimaleistung von Wäldern mit eingerechnet werden. Das 55-Prozent-Ziel ist dadurch eine Mogelpackung, weil dann andere Sektoren wie Industrie, Energieerzeugung und Verkehr, die Haupttreiber des Klimawandels sind, geringere Einsparungen leisten müssen. Außerdem können Dürresommer und Herbststürme, die mittlerweile neue Normalität in Deutschland und Europa sind und Wälder weiter schädigen, fatale Auswirkungen auf die Gesamtklimabilanz haben. Denn geschädigte Wälder können  schnell von Klimasenken, die CO2 aus der Atmosphäre filtern und speichern, zu CO2-Quellen werden, die mehr klimaschädliche Gase freilassen als sie binden können. So unterliegt der Landnutzungs- und Forst-Sektor Schwankungen, die zu großen Unschärfen und Planungsunsicherheiten eines Netto-Klimaziels beitragen.

Eine stärkere Einbeziehung von Landnutzung und Forstwirtschaft in die EU-Klimapolitik ist grundsätzlich zu begrüßen, da dadurch ein größeres Augenmerk auf ihre klimafreundliche Wiederherstellung gelegt wird. Das könnte allerdings durch ein EU-Treibhausgas-Senkenziel, dass separat von einem Treibhausgas-Minderungsziel besteht, besser erreicht werden.

 

Hintergrund

Derzeit finden die Trilog-Verhandlungen zwischen dem Europäischen Parlament und dem Rat der europäischen Umweltminister unter Vorsitz der portugiesischen Ratspräsidentschaft über die Ausgestaltung des EU-Klimagesetzes statt. Das EU-Klimagesetz enthält unter anderem eine Erhöhung des EU-Klimaziels für 2030, welches bisher bei einer Treibhausgasminderung von 40% im Vergleich zu 1990 liegt. Das Europäische Parlament sprach sich im Oktober 2020 für ein 2030-Ziel von 60% ohne Einbeziehung von natürlichen CO2-Senken aus. Die Europäische Kommission und der Europäische Rat der EU-Staats- und Regierungschef:innen hingegen fordert ein Ziel von netto 55%, welches natürliche Senken mit einbezieht, und somit für den Rest der Wirtschaft lediglich eine Reduktion von der Treibhausgase um 50-52% bedeutet, da europäische Wälder und andere Ökosysteme der Atmosphäre derzeit etwa 3-5% CO2 entziehen. Die portugiesische Ratspräsidentschaft, welche die Trilog-Verhandlungen leitet, weigert sich bisher, über das 2030-Klimaziel auch nur zu diskutieren. Die Berichterstatterin des Europäischen Parlaments, MdEP Jytte Guteland (sozialdemokratische Fraktion), besteht weiterhin auf der Forderung des Europäischen Parlaments nach einem Brutto-Klimaziel von 60%, welches die SPD-Abgeordneten im Europäischen Parlament ausdrücklich unterstützen.